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Didi Zach

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2005-04-18

Die Meinl-Story

Am Beginn der "Meinl-Dynastie" steht der Bäckersohn, der 1862 als Kolonialwarenhändler in Wien sein erstes Geschäft eröffnet. Meinl nützt die Möglichkeiten des Habsburger-Reiches auf fulminante Art und Weise.

Sein Sohn, Julius Meinl II, der "Konsul", kann sich daher bereits auf ein wirtschaftliches Imperium stützen, das es in sich hat. In allen bedeutenden Orten des Habsburg-Reichs existieren Niederlassungen. "Meinl-Kaffee war im galizischen Lemberg ebenso ein Begriff für Lebensart wie im istrischen Pula, in Sarajevo oder in Temesv�r", so "Der Spiegel" lapidar in einem Bericht über Österreichs Ostgeschäfte und Habsburg-Reminiszenzen.

So wundert es nicht, dass das "Meinl-Imperium", der Konsul war gegen Ende der Monarchie Vertrauter des letzten Kaisers, selbst Schicksalsschläge unbeschadet übersteht. "1937 gab es in der Tschechoslowakei 111 Meinl-Filialen, in Prag allein 30" (Der Spiegel, Nr. 6/93). Zur gleichen Zeit konnte die Familie Meinl noch 57 Läden in Ungarn, sowie je 28 Läden in Jugoslawien, Polen und Rumänien ihr Eigen nennen. Politische Kontakte zu den führenden Persönlichkeiten der Ersten Republik, seien sie der sozialdemokratischen oder der Christlich-sozialen Partei zugehörig, sind für den Konsul kein Problem.

Den Nazis dürfte Julius Meinl II nicht sehr zugetan gewesen sein. 1938 verlegt die Familie Meinl den Wohnsitz nach London. Doch es ist vorgesorgt: Adoptivsohn Fritz führt nun das Unternehmen von Wien aus. Dieser kann mit den Nazis offensichtlich sehr wohl. Faktum ist jedenfalls, daß es dem Meinl-Adoptivsohn Fritz gelingt, die Geschäfte weiterzuführen. Und die Geschäfte gehen glänzend. Die Zahl der Filialen steig um annähernd ein Drittel (von 461 auf über 690).

Als Julius Meinl II 1944 in England stirbt, hinterläßt er ein Testament der besonderen Art. Im Falle eines Sieges der Alliierten, der sich schon abzeichnete - doch sicher ist offenbar sicher - erbt der in London lebende Sohn Julius die Meinl AG. Dieser hat jedoch die Verpflichtung, seinen Adoptivbruder Fritz angemessen zu entschädigen. Im Falle eines Sieges der Nazis wäre Adoptivsohn Fritz zum Alleinerben geworden und Julius III hätte eine Entschädigung erhalten. Der kompromittierte Adoptivsohn Fritz ging nach Kriegsende nach Brasilien - über die Höhe der Abfindungssumme ist in der Öffentlichkeit bis heute nichts bekannt.

Gekürzte Fassung eines Artikels des Autors, der in der vom KSV herausgegebenen Zeitung UNITAT (Nr. 5/94) erstmals publiziert wurde.