2005-11-13
Wann brennt er wieder?
Österreich ist in den Jahren nach dem Zusammenbruch der Monarchie gut damit gefahren, sich klein zu machen. Das trifft sowohl auf die Zeit vor als auch nach dem nationalsozialistischen Intermezzo zu, das durch die tatkräftige Mitwirkung von Landsleuten an der Auslöschung des Alpenrepublik gekennzeichnet war. Aus diesem Blickwinkel ist uns hierzulande weitgehend entgangen, dass Europa genau so wie die USA über einen umfangreichen "Hinterhof" verfügt, der immer mehr dazu tendiert, Probleme zu machen.
Die Linke hat den Imperialismus in Lateinamerika immer haarscharf an den USA festgemacht, obwohl die Vernichtung des Urbevölkerung und die Fremdherrschaft in dieser Region von der alten Welt ausgegangen sind. Weitgehend verdrängt wurde indessen, dass die Misere Afrikas bis heute ausschließlich auf das Konto von Europa geht. Das Unrechtsbewusstsein auch der Linken scheint mir in diesem Punkte ebenso unterentwickelt, wie die Entwicklungshilfe hinter den schon vor Jahrzehnten zugesagten 0,7 Prozent vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) der Industriestaaten zurückgeblieben ist.
Ziemlich unvermittelt wird Europa und wird auch die Linke mit den Konsequenzen dieser Verdrängung konfrontiert: Der Sturm auf die Südgrenzen der EU wie die brennenden Autos und Schulen in Frankreich sind mehr als deutliche Indizien, dass eine Politik zur Katastrophe führt, die den BürgerInnen der Dritten Welt ganz gleich, ob sie zu Hause bleiben oder emigrieren, grundlegende soziale Rechte vorenthält. Schulen und Autos, die in Flammen aufgehen, symbolisieren vorenthaltende Möglichkeiten - Bildungschancen ebenso wie faire Löhne und Arbeitsbedingungen.
Wenn man sich den Film "Operation Spring" anschaut, fragt man sich, wie lange es noch dauert, bis der � übrigens um ein Vermögen frisch renovierte � Justizpalast wieder einmal brennt.