2005-10-23
Ohne Fleiß kein Preis!
Das fleißge Sprichwort wird als Inbegriff unserer viel gerühmten "Leistungsgesellschaft" propagiert. Es bestätigt sich königlich, wenn man von Betriebsräten mit Sonderbudgets fürs Puff liest und beeindruckt der Leistungen gedenkt, die der Refco-Chef erbracht haben muss, als er kurz vor seiner Verhaftung vom fleißigen Arbeitbankchef persönlich einen Kredit von 350 Millionen Euro bekam. Da sieht man das Wirken des Leistungsprinzips. Fragt sich nur, welche Nebenleistungen bei dem Deal gelaufen sind, denn im Kapitalismus ist auch das persönliche Risiko, versteht sich, nicht "umasunst"!
Die gleichen Freunde der arbeitenden Menschen siedeln Betriebe immer weiter nach Osten ab, weil die ArbeiterInnen bei uns für zu viel Lohn "zu wenig leisten". Selbst gewinnbringende Betriebe werden geschlossen und die zu wenig leistungsbereiten Werktätigen auf die Straße gesetzt, weil die oben beschriebenen "Mehrleister" den Ostwerkern was Gutes tun wollen. Den armen Maschinenanhängseln werden automatische Systeme zur Seite gestellt, um ihnen die Arbeit zu erleichtern oder sie selbst zu beseitigen. Den anderen wird beschieden, dass die Arbeitszeit erhöht und bis 80 verlängert werden muss, um die für die Pensionen nötigen gesellschaftlichen Leistungen zu erbringen. Hänschen klein und Gretel klein müssen von klein auf lernen, für Leistung zu leisten, damit sie es dann als Hans und Grete können. Schluss mit der Kuschelpädagogik.
Jetzt, gestärkt durch die schwarzbraune Pädagogik, wird wieder mit Noten geklotzt und "gelernt" statt gespielt. Europaweite Leistungsstandards werden eingeführt. Es kommt eine Einheitsmatura � es lebe die Kreativität mit dem Einheitsaufsatz. Unnutzstudien werden eliminiert. UnnutzstudentInnen auch, selbst wenn wir im Europaranking mit den Akademikerzahlen fast an letzter Stelle sind. Selbst kritische Eltern hetzen ihre Kinder für die Schule und nach der Schule in diverse Kurse � gespielt wird nicht. Schluss mit lustig. Und wir Idioten glauben das alles. Selbst die hinweggefegten Kleinunternehmer und ArbeiterInnen glauben an das Leistungsprinzip.
Was haben denn die ErbInnen der Reichen geleistet, um zu ihrem Erbe zu kommen? Wo bleibt das Leistungsprinzip bei den Managergehältern, die selbst Unternehmern schon suspekt werden? Diese Tüchtigen schaffen es vor dem Konkurs, sich noch Gehaltserhöhungen zu leisten, wie die jüngsten Firmenpleiten zeigten. Wo folgen die Beamten mit ihren Biennalsprüngen einem Leistungsprinzip? Ich gehör dazu und darf es sagen: "Immer älter und depperter � aber mehr Gehalt!" Und was mangelt denen unten an Leistung, wenn bei einer Betriebsschließung Tausende auf der Straße stehen, Tüchtige und Untüchtige? Was hilft meiner Tochter ihr Doktorat, wenn sie seit sieben Jahren keine entsprechende Arbeit bekommt und die gleiche Arbeit als Tippse macht wie die andere Tochter ohne relevanten Schulabschluss? Sind die Helden der Arbeit von Onassis bis Stronach wirklich durch ihren persönlichen Fleiß zu Milliardären geworden? Haben sie so viel in die Hände gespuckt?
Glaubt nichts, lest Marx. Nur durch den Betrug an den Arbeitenden und den KonsumentInnen � auch eine Leistung � kommt man zu so viel Geld. Mit dem Klavier hat�s der Wlaschek nicht geschafft. Das sind die Maximen des Kapitalismus und nicht das Leistungsprinzip für die "Minderleister". Deshalb wird der Marxismus so diskreditiert, weil er, selbst in primitivster Lesart, verständlich macht, wie wir von denen da oben verarscht werden. Der Häupl weiß das alles, aber er liebt das Tänzchen mit "der Wirtschaft" � und sie begießen�s grad vor der Wahl reichlich mit dem Wiener Wein.
Die Antworten der Linken reichen von Verteilungskämpfen bis zum Basislohn, von kollektiven Selbstversorgerexperimenten bis zum Recht auf Faulheit. Selbst Riesenreiche wie die Sowjetunion, die sich versuchten, vom kapitalistischen Ringelspiel abzukoppeln, haben sich auf das Konkurrenzprinzip eingelassen und auf den Rüstungswettlauf einlassen müssen (?). Schließlich haben sie sich, unter anderem durch ihre Schulden beim Klassenfeind, diesem völlig ausgeliefert. Was hätte denn die BRD anderes wollen sollen als den Honeckerstaat mit der Leimrute der Kredite so zu leimen, bis alles zusammenkracht � auch eine Leistung. Selbst guter Rat ist teuer, nur Nachdenken kostet nichts.