2005-11-07
Seltsame Traditionspflege in der 2. Republik
Das Gedenken an die Gefallen der beiden Weltkriege ist ein seltsamer Brauch - und es fragt sich, was diese "Helden" für die Wiedergeburt Österreichs nach der vom Großkapital gesponserten Nazidikatur beigetragen haben sollen. Vermutlich ist diese Geste ein Rest der Anstrengungen, die von ÖVP und SPÖ unmittelbar nach der Wiedergeburt unseres Landes unternommen wurden, um die so genannten Ehemaligen ins neue Österreich einzugemeinden.
Genau so seltsam ist es, dass bei dieser Gelegenheit so gut wie nie die Rede von der Bedeutung ist, die der Widerstand gegen die Nazidiktatur für die Wiedererrichtung Österreichs gehabt hat. In der 1943 von den Alliierten beschlossene Moskauer Deklaration, die essenziell für das Widererstehen Österreichs war, wird zwar auf den Stellenwert des aktiven Widerstands von ÖsterreicherInnern hingewiesen, in die Schulbücher - geschweige denn in das Bewusstsein der herrschenden Politiker - ist diese wichtige Tatsache aber nur unzureichend oder gar nicht eingedrungen.
Leute wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der sich an den - gegen die aktiven Arbeiter gnadenlosen - Vorgängern Ignaz Seipl und Engehart Dollfuß zu orientieren scheint, feixen lieber mit verkappten Nazis in der Regierung, als die Verdienste von KommunistInnen (bekanntlich die überwältigende Mehrheit unter den WiderstandskämpferInnen) zu würdigen. Das hat auch die antikommunistische Torschlusspanik des Kanzlers mit den schmalen Lippen im steirischen Wahlkampf bewiesen.
Soll es weitere Jahrzehnte dauern, bis bei staatlichen Festen und Feiern der Wahrheit die Ehre gegeben wird?