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Bärbel Mende Danneberg

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2005-12-03

Ob Kinder oder keine ...

Die jüngeren Frauen werden es wohl nicht in dieser Tragweite nachvollziehen können, was es heißt, ungewollt schwanger zu werden � und zwar unter dem Damoklesschwert des Hungers und der finanziellen Not, der Gefängnisstrafe bei einem illegalen Abbruch oder gar dem Verlust des eigenen Lebens durch eine Engelmacherin. Die Älteren von uns, die diese verzweifelte Not an ihren Müttern oder Großmüttern gesehen haben, sind Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf die Barrikaden gestiegen. "Ich habe abgetrieben", lautete der Slogan der Selbstbezichtigungskampagne.

In der Folge wurde in vielen Ländern und 1975 auch in Österreich der Abtreibungsparagraph unter Druck der autonomen und linken Frauenbewegung von einer SPÖ-Alleinregierung liberalisiert. Er wurde allerdings nicht aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, sondern ein Abbruch kann befristet auf die ersten drei Monaten einer Schwangerschaft ungestraft durchgeführt werden. Kein Arzt kann � wie auch keine Frau - gezwungen werden, einen Schwangerschaftsabbruch gegen sein oder ihr Gewissen vorzunehmen. Und trotzdem tun die AbtreibungsgegnerInnen so, als würden Frauen gezwungen oder sich leichtfertig zu einem solchen Schritt entschließen.

Ärzte in den westlichen Bundesländern haben anscheinend ein besonders intimes Verhältnis zum lieben Gott und können einen Eingriff nicht mit ihrem christlichen Gewissen vereinbaren, denn Abbrüche werden in keinem öffentlichen Spital westlich von Linz durchgeführt. Salzburgs SPÖ-Landeshauptfrau Burgstaller hat sich nun dieses Versäumnis vorgeknöpft � ein erzkonservativer Aufschrei war die Folge. Allerdings: In Privatpraxen ist es in den westlichen Bundesländern durchaus möglich, für teures Geld einen verständnisvollen Arzt zu finden. Das erinnert mich an einen bitterbösen Witz aus meiner Krankenschwesternzeit: Warum sind Gynäkologen reicher als Augenärzte? � Weil Augenärzte ihren Patientinnen nicht die Augen auskratzen können.

Soweit der unbefriedigende Stand der Dinge, mit welchem sich die AbtreibungsgegnerInnen nicht abfinden wollen. Nicht nur terrorisieren sie Frauen vor Ambulatorien und prophezeien ihnen Höllenqualen nach einem Schwangerschaftsabbruch. Sie verfügen auch über ein internationales Netzwerk, das in konzertierten Aktionen eine liberalere Gesetzgebung in den einzelnen Ländern zu Fall bringen möchte. Das deckt sich durchaus mit dem neoliberalen Backlash, der Frauen in den verschiedensten sozialen Belangen unter Zwang setzt. Die Konservativen wittern Morgenluft auch in der Abtreibungsfrage. Einige Beispiele aus der EU-und US-Wirklichkeit:

- Der Papst verkündete vor 30.000 PilgerInnen, "mit jeder verhinderten Abtreibung wird eine Seite der Hoffnung für die Zukunft der Menschheit geschrieben".
- In Italien hat die Sozialkommission der Abgeordnetenkammer grünes Licht für eine Untersuchungskommission gegeben, die das seit 1978 geltende Recht auf Schwangerschaftsabbruch überprüfen soll.
- In Portugal hat das Verfassungsgericht ein Referendum über eine Lockerung der restriktiven Abtreibungsgesetze abgelehnt.
- In Polen will die neue Regierung den Kampf gegen Abtreibung verschärfen und Werbung für Verhütungsmittel verbieten.
- In den USA arbeiten die Erzkonservativen seit Jahren daran, Abtreibung zu verbieten. In diversen Bundesstaaten wurden schärfere Gesetze beschlossen, ein Gesetz kommt nun vor den Supreme Court, das die Meldepflicht an Eltern bei Minderjährigren, die abtreiben wollen, vorsieht.
- In Spanien hat der Vatikan sich unverhohlen in innere politische Angelegenheiten eingemischt, indem Ärzte aufgerufen wurden, "das Verbrechen der Abtreibung" zu verweigern.
- In Irland reisen jährlich 6.500 Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch nach England, denn Irland hat eines der restriktivsten Gesetze.
- In Liechtenstein steht Abtreibung unter Strafe � allerdings ein Lichtstreif im Fürstentum: eine Volksabstimmung zur "Verankerung des Rechts auf Leben" scheiterte kürzlich.
- In Deutschland wurde nach der "Wende" nicht etwa die liberalere DDR-Regelung durchgesetzt, sondern Beratungsgespräche erschweren einen Abbruch.
- In Österreich setzen AktivistInnen von "Human Life International" die Frauen unter Druck mit ihrer Dauerbeterei vor Abtreibungskliniken � Abtreibungen würden Kindesmisshandlungen provozieren, aus Frauen, die abgetrieben haben, würden "militante Feministinnen", weil es ihnen unmöglich wäre, "jemals wieder zärtlich und weiblich zu sein" (HLI-Publikation zitiert nach dieStandard.at).

Na ja, es soll nichts Schlimmeres passieren. Und unsere Frauenministerin? Die zählt derweil die Pannen bei der E-Card.