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Lutz Holzinger

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2005-03-10

Haider von Normalität eingeholt

FPÖ schrumpft auf angestammte Größe

Mit Unterstützung der Medienlandschaft, die durch verstärkte Konkurrenz aus der Fassung geraten war, hat es die FPÖ seit 1986 geschafft, deutlich über ihr natürliches Maß von rund fünf Prozent der Wählerstimmen hinaus zu wachsen. Jörg Haider wurde zu einem Dauergast auf den Titelseiten der Magazine und in den Hauptnachrichtensendungen des ORF. In beiden Medienbereichen waren JournalistInnen davon angetan, über eine Alternative zum gewohnten und abgenutzten Politpersonal des Landes zu verfügen.

Der steile Aufstieg der FPÖ mit Themen, die wie Politikerprivilegien oder Großparteienfilz bis dahin lediglich (und wesentlich erfolgloser) von der KPÖ angesprochen wurden, kulminierte in den Nationalratswahlen 1999: Die Freiheitlichen überholten die ÖVP und betätigten sich als Steigbügelhalter von Wolfgang Schüssel. Dieser Schritt wurde umgehend bestraft, weil von da an die "Freiheitlichen" mitverantwortlich für eine Politik waren, bei der es dem "kleinen Mann" (Haiders Kultfigur) auf Grund des sozialen Kahlschlags den Magen umdrehen musste.

Gleichzeitig zeigte sich, dass die FPÖ trotz massiver Mandatsgewinne in den 90-er Jahren und starkem Zulauf an Sympathisanten und Mitgliedern nicht über die erforderlichen Personalreserven verfügte, um die Regierungssitze mit geeigneten Personen zu besetzen. Speziell im Verkehrsministerium herrschte mit Schmid, Forstinger, Reichhold usw. ein Betrieb wie in einem Flüchtlingslager. Ähnlich unstabil erwies sich die Besetzung des Sozialministeriums.

Der programmierte Abstieg dieser Partie, die gegenwärtig niemand mehr zu wollen scheint, ließ sich auch durch den Versuch nicht aufhalten, in Knittelfeld das Steuer herum zu reißen. Die Verkleinerung der politischen Bandbreite der FPÖ schlug sich in einem katastrophalen Ergebnis bei den Nationalratswahlen 2002 nieder, die durch das Ereignis vom Zaun gebrochenen wurden. Der Wiedereintritt in die Koalition mit der ÖVP beschleunigte den Abstieg weiter. Diese Entwicklung kann keineswegs durch die von Haider propagierte Neugründung der Partei aufgehalten werden.

Die FPÖ hat mittlerweile für sämtliche Beteiligten jeden Unterhaltungswert restlos verloren. Die bittere Konsequenz daraus besteht in der herrschenden Mediengesellschaft darin, dass Jörg Haider und seine Partie außerhalb des Villacher Faschings � auch wenn sich News und ORF noch so sehr bemühen � keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Abgesehen von der fragwürdigen Show, die von FPÖ geboten wurde, war sie immer schon ein Muster ohne Wert. Demnächst wird diese Partei � als Mischung von Deutschnationalismus und Liberalismus ein eingefrorener Posthornton aus dem 19. Jahrhundert � mangels erkennbarer Funktion um den Wiedereinzug in den Nationalrat kämpfen müssen oder gleich in der historischen Versenkung verschwinden.