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Melina Klaus

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2005-05-24

Die großen Vier auf den hinteren Rängen

In diesem Jahr zum zweiten Male sahen wir zu, wie sich Mehrheitsverhältnisse durchsetzen, die sich wohltuend vom politischen Tagesgeschehen absetzen.

Seit 1994 wird das StarterInnenfeld beim Eurovision Song Contest breiter und breiter. Teilnahmeberechtigt sind alle Mitglieder der EBU (Europäische Rundfunkunion), der auch Israel, Syrien oder Marokko angehören. Die EBU-Erweiterung Richtung Osteuropa (im Unterschied zu der der EU) war schon 1990 abgeschlossen. Mitte der 90er wurde beschlossen, dass die vier Mitglieder, die den meisten Anteil des EBU-Etats trugen, automatisch für die Teilnahme qualifiziert waren. Der Grund für diese Regeländerung lag darin, dass Deutschland ausscheiden musste und befürchtet wurde, die finanzstarken Länder würden auf Dauer ausbleiben. Neben Deutschland sind seitdem Großbritannien, Frankreich und Spanien jedes Mal gesetzt � die 'Big 4' im Fachjargon.

Seit 2004 wird der Wettbewerb in einer Qualifikations- und einer Finalrunde ausgetragen, erstmals stimmten alle (rund 35, also Qualifizierte und Ausgeschiedene) teilnehmenden Nationen im Finale mit. Serbien und Montenegro erreichte bei ihrem Debüt Platz 2, Albanien bei seinem Platz 7, die Ukraine gewann. Im Verlauf des Abends konnte die Rede vom "neuen und alten Europa" aufs Schönste umgedeutet werden. Die Dominanzkultur geriet in eine Minderheitenposition. Neue Harmonien und Kostüme eroberten die Bühne. Die Punktevergabe verlagerte alle Schwerpunkte. � 1956 bis 64 dominierte in Siegen und Platzierungen Frankreich, 1961 bis 78 ungebrochen Großbritannien, in den 80ern Deutschland, GB und vor allem Irland, die 90er gehörten wieder GB, Irland und Schweden, die Siegerländer seit 2000 heißen Dänemark, Estland, Lettland, Türkei, Ukraine, Griechenland.

Nun haben wir den Songcontest 2005 hinter uns. Erstmals dabei Bulgarien und Moldova, für die anwesenden Kinder und Erwachsenen auf der kleinen Party klar die Sieger des Herzens (und alle hatten in der Zeitung gelesen, dass diese Länderbezeichnung der Nazi-Diktion Moldawien vorzuziehen sei). Der unsägliche Kommentator ätzt ob der 'Freunderlwirtschaft' bei der Punktevergabe und ist beleidigt, dass Österreich ganz alleine dasteht. Wir fragen uns, wo er eigentlich in diesem Fall die öffentlich-rechtliche Propaganda ablegt, der nach die bösen 'Serben' von allen NachbarInnen missachtet werden, als es die Punkte regnet. Beim Austrian Televoting herrscht, anders als für den Nationalrat, Wahlrecht für alle! Die heimischen Hoch- und Höchstpunkte gehen an Bosnien-Herzegowina, Kroatien, die Türkei und Serbien und Montenegro. Griechenland erhält von der Türkei 12 Punkte und gewinnt vor Malta, Rumänien, Israel, Lettland, Moldova und Serbien und Montenegro.

Und die großen Vier? Die großen Vier sind die letzten Vier! Platz 24 Deutschland, 23 Frankreich, 22 Großbritannien, 21 Spanien. Sie mögen zwar zahlen, aber sie schaffen nicht mehr an.